Originalsprache und Übersetzung
Wo liegt das Problem zwischen Originalsprache und Übersetzung in diesem speziellen Fall?
Sprache ist ja nicht nur ein Mittel, um Informationen mitzuteilen, sondern auch unmittelbarer Ausdruck von vielen unbewussten Vorgängen in uns. Jeder assoziiert mit einem Wort etwas anderes als der andere. Im theatralischen Prozeß agieren wir ja nicht nur mittels der Sprache, sondern wir re-agieren auch, bewußt oder unbewußt, nicht nur auf das Was, sondern auch auf das Wie des Ausgesprochenen bzw. Gesungenen. So entsteht ein sich ständig ergänzender und fortschreitender theatralischer Dialog (übrigens auch nonverbal), der sich nicht nur aus den gegebenen Informationen speist, sondern auch aus den vielen oft uns unbewußten Quellen der Assoziation und des Unterbewußtseins. Das funktioniert auch in einer uns nicht geläufigen Sprache, aber der intuitive Zugang zum „Untertext“ ist dann viel mühsamer und komplizierter. Hier haben wir uns für eine deutsche Fassung entschieden, weil keiner von uns des Tschechischen mächtig ist.
Nun kann man sagen, daß Janáček so sehr mit charakteristischen Lauten, Rhythmen und Melismen der tschechischen Sprache gearbeitet hat, dass es nun gar nicht möglich sei, sie originär in eine andere Sprache zu übertragen. Wenn man sich aber bemüht, denke ich, hinter diesen Lauten und Rhythmen den „Untertext, den emotionalen Sinn herauszulesen, der sich dann in der Komposition ausdrückt, ja dann wird eine Übertragung in jede Sprache möglich sein.
Max Brod, der großartige Schriftsteller, hat diese Oper übersetzt, wie viele andere Janáček Opern ja auch. Er hatte jedoch etwas Schwierigkeiten mit dem Stück, weil das Original ihm ein bisschen zu harmlos erschien. Er hat dann also nicht nur die Übersetzung gemacht, sondern auch eine dramaturgische Bearbeitung, indem er neben der Tierwelt die menschlich-erotische Perspektive verstärkt in den Vordergrund stellte. Janáček war auch sehr einverstanden damit. Die Erben und Biographen Janáčeks empfanden das jedoch als eine grobe Verfälschung des Originals und so entstanden andere Übersetzungen, die sich mehr auf die originale Dramaturgie bezogen.
Wir haben uns für die Fassung von Max Brod entschieden, weil genau diese Doppelbödigkeit, die Spiegelung des Kreatürlichen in der menschlichen Psychologie, die sich am Deutlichsten im Rollenportrait des Füchsleins bzw. der Terynka zeigt, unserem konzeptionellen Grundgedanken entgegenkommt.
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Zuletzt bearbeitet: 08.02.2008
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