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Musikindustrie plant neue Klagewelle (Hannoversche Allgemeine Zeitung, 20.03.2009)
Von Thomas Wüpper «Berlin.» Die Musikindustrie startet eine neue Klagewelle gegen Raubkopierer. Jeden Monat sollen tausend Verfahren eingeleitet werden. Der Umsatz der Branche sinkt weiter. Die CD-Erlöse schrumpften um fast 5 Prozent, auch wegen sinkender Preise. Die Branche hofft nun auf ein Ende der Krise. Rund 100 000 Verfahren hat allein die deutsche Musikindustrie wegen mutmaßlicher Urheberrechtsverletzungen eingeleitet. Das harte Vorgehen habe Erfolg, glaubt Dieter Gorny, Chef des Bundesverbands Musikindustrie. Denn seit 2004 hat sich die Zahl der Lieder, die unerlaubt aus dem Internet heruntergeladen werden, fast halbiert. Das ist bemerkenswert, denn in anderen Ländern hat der Tauschhandel meist stark zugenommen. Voriges Jahr nahmen allerdings auch in Deutschland illegale Downloads wieder leicht zu, um vier Millionen auf 316 Millionen Songs. Damit kommen auf einen legal erworbenen Titel im Internet acht Musikstücke, die unerlaubt getauscht wurden. Das geht aus der „Brennerstudie“ der Gesellschaft für Konsumforschung hervor, für die 10 000 Verbraucher befragt werden. Die Industrie sehe sich daher zu weiteren Massenverfahren gezwungen, sagte Gorny. Grundlage dafür ist der seit Herbst geltende Auskunftsanspruch. Damit können Musikfirmen bei Internetprovidern die Herausgabe der Daten von Nutzern verlangen, die zum Beispiel illegale Tauschplattformen für Musik genutzt haben. Für Musikpiraten kann das sehr unangenehm und teuer werden. Die spezialisierten Anwälte der Industrie klagen meist auf Unterlassung, Schadensersatz und Kostenersatz. Leicht kann das eine vierstellige Euro-Summe ergeben. Im Prozessfall kommen Gerichtskosten dazu, wenn sich die Industrie mit der Klage durchsetzt. Auch mit den Erlösen aus den künftigen Verfahren will der Verband weitere Aufklärungskampagnen besonders an Schulen finanzieren. Mit der Musikhochschule Hannover startet die Musikindustrie das neue Projekt „Play fair – Respect Music“ für Schüler und Lehrer. „Wenn es nicht gelingt, ein neues Bewusstsein für den Wert von Musik, Film oder Literatur zu schaffen, verspielen wir die Zukunft dieser Branchen“, warnt Gorny. Die Branche hofft, dass sich die Politik mehr bewegt, wenn zunehmend auch Filmindustrie sowie Buch-, Zeitungs- und Zeitschriftenverlage unter illegaler digitaler Vervielfältigung leiden. Auf deutschen Computern, Handys und MP3-Spielern lagern laut „Brennerstudie“ inzwischen 26 Milliarden Songs. Insgesamt hat die Musikindustrie das vorige Jahr glimpflich überstanden. Der Gesamtumsatz schrumpfte um knapp 5 Prozent auf 1,58 Milliarden Euro. Hauptsäule des Geschäfts bleibt Musik auf CD, DVD und Kassetten, der Umsatzanteil digitaler Musik beträgt bisher nur 7 Prozent. Zum Vergleich: In den USA macht die Branche bereits 30 Prozent des Umsatzes mit Musik, die direkt auf Computer, Mobiltelefone oder MP3-Spieler gespeichert wird. In den USA sind die CD-Verkäufe allerdings auch viel stärker eingebrochen, allein 2008 sank dort der Umsatz nochmals um fast ein Fünftel. „In Deutschland dagegen ist der Absatz von Musik-CDs seit fünf Jahren weitgehend konstant“, sagt Verbandsgeschäftsführer Stefan Michalk. Allerdings können sich die Verbraucher über leicht sinkende Durchschnittspreise freuen. Der CD-Umsatz sank dadurch um knapp 5 Prozent auf 1,28 Milliarden Euro. Viele Musikfans sparen sich aber den Kauf der CDs. Allein voriges Jahr wurden laut Brennerstudie 370 Millionen Originale kostenlos kopiert. „Damit kommen auf jede verkaufte CD 2,5 Kopien“, rechnet Michalk vor. In diesem Jahr hofft er auf zumindest gleichbleibende Umsätze.
20.03.2009 / HAZ Seite 11 Ressort: WIRT
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Zuletzt bearbeitet: 03.04.2009
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