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Freitag, 06.02.2009 10:48 - Alter: 12 Jahre

MusikwissenschaftlerInnen aus vier niedersächsischen Hochschulen schließen sich zu Promotionskolleg zusammen

Modellversuch für die Betreuung von Dissertationen in kleinen geisteswissenschaftlichen Fächern

In den kleinen Fächern der Geisteswissenschaften ist das Schreiben einer Doktorarbeit oft eine einsame und prekäre Angelegenheit. Arbeitsgruppen und Kollegs, die den Austausch zwischen Promovierenden mit ähnlichen Themen ermöglichen, existieren allein schon wegen der geringen Größe der Fächer kaum. Promotionsstellen und -stipendien für die Finanzierung des Lebensunterhalts sind rar.

In Niedersachsen startet nun die Historische Musikwissenschaft unter dem Titel "Erinnerung – Wahrnehmung – Bedeutung. Musikwissenschaft als Geisteswissenschaft" einen bundesweit einmaligen Modellversuch. Vier Professorinnen und Professoren der Universitäten in Göttingen, Oldenburg und Osnabrück sowie der Hochschule für Musik und Theater Hannover haben gemeinsam ein Konzept für ein hochschulübergreifendes, landesweites Promotionsstudium der Musikgeschichte entwickelt. Als Alternative zu Promotionsprogrammen, die an einzelnen Hochschulen angesiedelt sind, soll in diesem Programm landesweit das Potential des Fachs und seines wissenschaftlichen Nachwuchses gebündelt werden.

Im Promotionskolleg promovieren Doktorandinnen und Doktoranden der Historischen Musikwissenschaft zwar wie bisher an einer der vier Hochschulen (individuell betreut von einem Doktorvater oder einer Doktormutter), werden aber hochschulübergreifend zusammengefasst, treffen sich regelmäßig zu gemeinsamen Veranstaltungen und Seminaren, diskutieren ihre Projekte, lernen neue Ansätze kennen und planen gemeinsam Lehrveranstaltungen und wissenschaftliche Tagungen.
Der Vorteil gegenüber interdisziplinären Kollegs ist, dass die Doktorandinnen und Doktoranden in einen Kreis von Lehrenden und Promovierenden eingebunden sind, der unmittelbare fachliche Schnittstellen gewährleistet, die Fachkompetenzen stärkt und dem disziplinären Austausch über Inhalte und Methode eines kleinen Fachs Raum gibt. Dass dabei der Blick nach außen nicht zu kurz kommt, wird durch Vorträge von Wissenschaftlern anderer Disziplinen, die gleichzeitige Betreuung durch vier unterschiedliche Forscherpersönlichkeiten und schließlich durch die Thematik selbst erreicht: Erinnerung – Wahrnehmung – Bedeutung. Musikwissenschaft als Geisteswissenschaft bietet ein Dach für Promotionsvorhaben zu verschiedensten Epochen – von der Musik der Antike bis zu Kunstmusik und Pop der Gegenwart. Gleichzeitig sichert die Beschränkung auf einen zentralen Problemkomplex der Disziplin, die Zuschreibung von Bedeutung zu Musik, den inneren Zusammenhang und die gemeinsame Gesprächsbasis des Kollegs.

Das Land Niedersachsen fördert das Programm über eine Laufzeit von drei, maximal vier Jahren mit jährlich 174.000 Euro durch die Vergabe von Sachmitteln und acht Georg Christoph Lichtenberg-Stipendien.
Beteiligt sind an dem Promotionsprojekt Prof. Dr. Dietrich Helms (Osnabrück). Prof. Dr. Susanne Rode-Breymann (Hannover), Prof. Dr. Melanie Unseld (Oldenburg) und Prof. Dr. Andreas Waczkat (Göttingen). Die Stipendien werden in Kürze international ausgeschrieben.

Für weitere Informationen wird eine Webseite unter der Adresse
http://www.pro-musikwissenschaft-nds.de eingerichtet.

Direkter Kontakt an der Hochschule für Musik und Theater Hannover
Prof. Dr. Susanne Rode-Breymann
Telefon: +49 (0)511 3100-7333
susanne.rode-breymann@hmtm-hannover.de
www.fmg.hmt-hannover.de