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Dienstag, 26.06.2012 10:30 - Alter: 10 Jahre

In Erinnerung an Professor Atila Aydintan

Professor Atila Aydintan ist am 22. Juni 2012 im Alter von 70 Jahren verstorben. Von 1970 bis zum Eintritt in den Ruhestand 2006 war er an der ehem. Hochschule für Musik und Theater Hannover vielseitig tätig – zunächst als Lehrbeauftragter, ab 1982 als Universitätsprofessor für das Fach Violine.
Atila Aydintan war ein beliebter und hochangesehener Professor und Kollege, dessen Schüler/innen besondere Musikerpersönlichkeiten mit starkem Profil wurden. Als Pädagoge schätzte er eine fundierte Ausbildung – er schulte seine Studierenden grundständig und streng in der Technik, gleichzeitig gab er ihnen den Freiraum, ihrer Künstlerpersönlichkeit gemäß ein Profil aufzubauen. Viele seiner Schüler/innen begleitete er vom Jungendalter bis zum Ende des Studiums.
Die Hochschulmitglieder trauern mit den Angehörigen.

Professorin Jutta Rübenacker schreibt:

Eigentlich weiß ich nicht viel über Atila Aidyntan. Privates gehörte nicht in die Hochschule, in den Dunstkreis seiner Arbeit. Auch seine gesundheitlichen Schicksalsschläge, die u. a. auch zu einem zu frühen Ende seiner Konzerttätigkeit führten, waren nie ein Thema. Er hat mit der ihm eigenen Konsequenz ungebrochen seine Kräfte dem Unterrichten gewidmet.

Im Internet wird Atila Aidyntan tausende Male erwähnt, aber man erfährt auch da nicht viel über ihn. Dafür umso mehr über seine Schüler/innen bzw. Studierenden und nur dadurch zwischen den Zeilen auch über ihn. In einer Zeit, in der jedes Konzert (auch das bei Tante Käthe in Winterthur) medial als internationales Event aufgebläht wird, welch ein Anachronismus. Welche Wohltat. Da wirkt ein Musiker, Pädagoge und vor allem Mensch mit großem Erfolg und Nachhaltigkeit ein Leben lang, und er stellt nichts davon aus, er lässt seine Arbeit sprechen, ohne Aufhebens.

Auf seinem letzten Weg haben ihn unzählige, ehemalige Schüler begleitet, alle zutiefst betroffen. Sie haben nicht nur ihren ehemaligen Geigenlehrer verloren, sondern einen Wegbegleiter, dessen eigentliche Bedeutung sich erst im jeweils eigenständigen Berufsleben offenbarte. Seine Fähigkeit, handwerklich unnachgiebig, konsequent, von Grund auf systematisch zu arbeiten,  gepaart mit dem Gespür für die ganz spezielle Begabung eines jeden, war überragend. Mit der ihm eigenen menschlichen Wärme hat er jeden einzelnen mit Empathie auf seinem mitunter sehr ungewöhnlichen Weg begleitet. So ist es zu erklären, dass in einer Studierendengeneration ein Stimmführer in der NDR-Radiophilharmonie seinen Weg machte, eine andere als international gefragte Improvisationskünstlerin, eine dritte als Performance-Artistin, ein vierter als Geiger des Johann-Strauß-Orchesters und als dessen Konzertmoderator, ein fünfter als 2. Geiger im weltberühmten Hagen-Quartett, ein sechster als Chefdirigent namhafter Orchester, ein siebter durch Recherchen u. a. über Kolisch in der renommierten Reihe der Musikkonzepte herausragende musikwissenschaftliche Ergebnisse vorlegt. Das ist wohl einzigartig in dieser Kombination.

Ich habe als Kollegin viel von ihm „zwischen den Türen“ gelernt. Eben jene Verbindung von handwerklicher Kompromisslosigkeit verbunden mit ganz selbstverständlicher menschlicher Anteilnahme und Wachheit waren und sind für mich Vorbild. Unvergessen bleiben sein Scharfsinn und Witz, mit denen er – dank seines Humors – umgänglich, aber auch unmissverständlich sich anbahnende Fehlentwicklungen auf den Punkt brachte.
Er fehlt mir (!) und uns!
Danke
Jutta Rübenacker