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Freitag, 23.10.2015 20:12 - Alter: 5 Jahre

Trauer um Heinz-Walter Krückeberg

Die Mitglieder der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover trauern um Heinz W. Krückeberg, der am 12. September 2015 im Alter von 88 Jahren verstarb. Heinz W. Krückeberg prägte den Studiengang Schauspiel der damaligen Niedersächsischen Hochschule für Musik und Theater am Lister Turm und später der Staatlichen HMT am Emmichplatz über 30 Jahre - von 1958 bis 1973 als Lehrbeauftragter und von 1973 bis zu seiner Verrentung 1989 als Universitätsprofessor.
Darüber hinaus wirkte Krückeberg in vielen Theaterrollen und mehreren deutschen Fernsehproduktionen mit, u.a. in der ARD-Krimireihe "Tatort", in dem Mehrteiler "Der große Bellheim" und in der Serie "Lindenstraße". Zuletzt war er an der Seite von Dieter Hallervorden in "Sein letztes Rennen" (2013) im Kino zu sehen.  

Ehemalige Studierende erinnern sich liebevoll an ihren Professor "Krücke":  

"Krücke war für mich der herzliche, gute und beschützende Geist in den ersten Semestern im Studiengang Schauspiel in Hannover. Vorsichtig und weise hat er uns auf einen schwierigen und anspruchsvollen Beruf vorbereitet. Leise, weise und freundlich ist er mir immer in Erinnerung. Danke!!" Christina Hagedorn  

"Mein lieber Krücke, du warst alles, nur das nicht - eine Gehhilfe. Andererseits ein Gehilfe schon. Ich erinnere mich noch sehr genau an den rührenden Brief, den du an meine Krankenkasse schriebst, in welchem du darlegtest, warum sie doch unbedingt die Kosten für meine Kontaktlinsen übernehmen sollte (immerhin 600 DM damals), was sie dann auch tat.
Der erste Unterricht bei dir: Improvisation. Wie du mit deinen wachen Augen unsere unvollkommenen Versuche verfolgtest, dann deine Fingerspitzen pantomimisch belecktest und mit ihnen eine imaginäre Tafel wischtest, um mit einem breiten Grinsen zu sagen: 'Äh, danke. Thomas das war Mist', oder 'Äh, danke. Jetzt hast du einen Vollidioten gespielt.' Nicht Drumherum reden, sondern gleich zur Sache kommen, das war dein Ding, und das hab ich an dir geliebt.
Mein lieber Krücke, du hast mich fast durch das ganze Studium begleitet. Leider bist du kurz vor Ende in Rente gegangen, also "leider" für uns, deine Studenten. Du hast dann ja weiter gespielt und gespielt und gespielt. Und das Schöne war, dass wir uns immer wieder über den Weg gelaufen sind, auch noch lange nachdem ich mit der Schule fertig war und längst im Beruf. Das letzte Mal am Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg, ich hatte mein 20-jähriges Bühnenjubiläum schon länger hinter mir, da sah ich dich auf der Bühne stehen. Und als wir uns danach noch zum Essen trafen, sah ich jemanden, der keinen Tag älter geworden zu sein schien: die gleichen wachen Augen, die gleiche knarzige Stimme, naja, die Lachfalten vielleicht ein wenig tiefer - das war's aber auch schon.
Umso schwerer fällt es mir jetzt zu begreifen, dass du nicht mehr hier bist und ich mein letztes 'Danke' dir nur noch in einen wundervollen stahlblauen Herbsthimmel hinterherrufen kann. Mein lieber Krücke, danke!!!"
Thomas Limpinsel  

"Krücke gehörte zu denen, die sich nicht mit einem oberflächlichen Eindruck begnügen und er behandelte einen wohlwollend, respektvoll und interessiert. Wenn ich an seinen Blick denke und mich daran erinnere, wie er mit uns zu reden pflegte, fühle ich wieder, was das heißt, jung, neugierig und ehrgeizig zu sein. Vielen Dank, Krucke, fur dein verschmitztes Lächeln und dein Vertrauen!" Nathalie Cellier  

"Lieber Krücke, ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie du unser kleines Semester Mitte der 80-er Jahre in der ersten Unterrichtsstunde mit den Worten begrüßt hast: "Willkommen in diesem schönen, beschissenen Beruf!" Wir alle lachten und schmunzelten darüber. Ich glaube, keiner wusste damals so richtig, wo diese scheinbar widersprüchliche Formulierung einzuordnen war, saßen wir als Auserwählte lernhungrig und 'zu allen Schandtaten bereit' in unserem so sehnsüchtig erträumten Schauspielstudium. Dein Satz kam aus einer Lebenserfahrung. Er besaß neben der Ernüchterung auch Wärme und Leidenschaft. Er sollte aufrütteln. Dennoch verriet er nicht die Verpflichtung, uns auf unseren eigenen Weg zu führen um eigene Erfahrung zu machen.
Die Arbeit in den nächsten Jahren sollte großartig werden. Fast väterlich und dennoch in gebührender Distanz hast du dich nicht nur künstlerisch um unser Wachstum bemüht, sondern auch die eine und andere Seite Menschlichkeit durchblitzen lassen, die erahnen ließ, was deine Lebensmaxime sind. Diese vier Jahre sind so voller Anekdoten, dass man kein Problem hätte, ein kleines Büchlein damit zu füllen.
Mir unvergessen - deine geflüsterte Äußerung in den ersten Reihen einer Lesung in einem kleinen Museum nahe Hannover, dass  'das Lesen der eigenen Werke durch den Autoren auf Strengste verboten gehöre'. Damit hast Du mir bewusst oder unbewusst den Mut gegeben, wenige Minuten später selbst aufs Podium zu steigen, um dort einen mit dir vorbereiteten Text vorzutragen. Das war eine Feuertaufe.
Als ich vor einiger Zeit am Berliner Schlosspark Theater das Vergnügen hatte, mit dem Herrn des Hauses zu arbeiten, der gerade an seinem Film "Sein letztes Rennen" arbeitete, ahnte ich nicht, dich so überraschend noch einmal neben Herrn Hallervorden bei der Kinopremiere auf der Leinwand zu sehen. Ich verließ das Kino mit dem festen Vorhaben, dich aufzusuchen.
Jetzt hast Du Dich auf den Weg gemacht und das Vorhaben ist hinfällig. Das, was ich Dir noch gerne gesagt hätte, kann ich nur noch aufschreiben in der Hoffnung, dass Du lächelnd über die Schulter schaust und mitliest. Lieber Krücke, danke für eine unvergleichliche Begegnung mit dir! Sie hat in meinem Leben Gedanken, Erinnerungen und Einflüsse hinterlassen. Danke für deinen Humor, deinen unerschütterlichen Glauben an Deine 'Schützlinge'. Deine Hingabe und nicht zuletzt an deine unglaubliche Aufrichtigkeit im Umgang mit deinen Mitmenschen. Du warst mir in vielen Punkten ein Vorbild. Ich wünsche Dir von ganzen Herzen eine gute und friedvolle Reise!"
Karl Heinz Herber
PS: Lieber Krücke, sollten wir uns tatsächlich nochmal wieder sehen, würde ich bei dir gerne noch ein paar Fechtstunden nachholen. Aber nur, wenn du dabei wieder deinen weinroten Trainingsanzug trägst! ;-)  

"Lieber Krücke,
Hannover, Emmichplatz, Studio A, Gruppenimprovisation, Endrunde, Aufnahmeprüfung 1987: Du standst als Wanderprediger einer Dorfgemeinde im Mittelalter vor uns, und wir versuchtennach Kräften mit dir im Wechselchor durch die Beschwörungsformel 'Packe dich, blutige Pest!' den Pestfluch zu bannen...werde ich nie vergessen!
Zum Auftakt des Studiums hattest Du uns zu Dir eingeladen und uns an einem Abend das Buch "Zen in der Kunst des Bogenschießens" vorgelesen, wir waren ergriffen und saugten jedes Wort auf und dann nahm endlich das Studium seinen Lauf. In welchem Fach hatten wir Dich eigentlich nicht, Krücke? Grundlagen, Improvisation, Szene, Sprachgestaltung, Theaterrecht... durch Unterrichtsausfall dazu noch Maske und Bewegung, ja, so war das und dann - bist du in Pension gegangen!
Wobei, an ein 'in Rente gehen' war bei Dir ja gar nicht zu denken, nein, nach deiner Lehrtätigkeit an der Hochschule bist du als Schauspieler erst mal richtig durchgestartet und hast Theater gespielt und gedreht und gespielt und gedreht und gespielt, wir haben gestaunt und waren stolz auf dich!
Vor 2 Jahren ca. sind wir uns zuletzt in Köln begegnet, haben uns nach Drehschluss zum Essen verabredet und nach einem längeren Gespräch sagtest du: '...der will mich nicht, der da oben!...', ich fragte dich, was denn mit dir ist, ob du denn noch wolltest, daraufhin meintest du: '...na ja, ich hab so viel gemacht, jetzt wird es wohl eher langweiliger werden hier...' - Jetzt hat er dich ja dann doch gewollt, lieber Krücke...
Es war schön, dass du unser Lehrer, Partner, Vertrauter, Freund und Kollege warst! Ich weiß, dass jeder von uns dir sehr am Herzen lag und du immer voll und ganz hinter uns standst! Es hat Spaß gemacht, bei allem blutigen Ernst und Wahnsinn, den der Beruf einem ja schon auch abverlangt, hab ich von dir gelernt: den Humor nicht verlieren, vor allem über sich selber nicht!
Farewell!"
Deine Sybille Schedwill