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Dienstag, 23.08.2016 16:34 - Alter: 2 Jahre

Erschließung, Erforschung und Vermittlung des einzigartigen Rara-Bestands

250.000 Euro Pro*Niedersachen-Förderung für Forschungszentrum Musik und Gender


Für das Vorhaben „Erschließen, Forschen, Vermitteln: Identität und Netzwerke. Mobilität und Kulturtransfer im musikbezogenen Handeln von Frauen zwischen 1800 und 2000“ erhält das Forschungszentrum Musik und Gender (FMG) 250.000 Euro im Förderprogramm Pro*Niedersachsen. Dem Forschungszentrum unter der Direktion von Hochschulpräsidentin Prof. Dr. Susanne Rode-Breymann wurde dabei die höchste Einzelförderung von den 15 ausgewählten Forschungsvorhaben aus dem Bereich Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften und zur Erforschung des kulturellen Erbes zugesprochen. Insgesamt wurden 2,8 Millionen Euro durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur bewilligt.

„Mit dem Förderprogramm Pro*Niedersachsen unterstreicht das Land die Bedeutung der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften für die kulturelle und soziale Entwicklung unserer Gesellschaft. Niedersachsen hat hervorragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in diesen Disziplinen. Die Qualität der geförderten Projekte spiegelt diese Forschungsleistung wider“, sagt die Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Gabriele Heinen-Kljajić.

Zielsetzung

Das interdisziplinäre Projektvorhaben des FMG an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover verfolgt drei Ziele: Erschließung, Erforschung und Vermittlung des hinsichtlich seiner thematischen Ausrichtung einzigartigen Rara-Bestands des Forschungszentrums. Die Sammlung von derzeit 1.379 Medieneinheiten umfasst historisches Quellenmaterial in verschiedenen Sprachen wie etwa handschriftliche Briefe, Postkarten, Bildquellen, Zeitungsartikel, Konzertprogramme, Albumblätter und andere Dokumente, darunter zahlreiche bislang unveröffentlichte Autografe, die Einblicke in das musikkulturelle Handeln von Frauen aus dem späten 18. bis zum ausgehenden 20. Jahrhundert geben.

Unter der Leitfrage, welche musikalisch handelnden Frauen wie, wo, wann und warum zur Musikkultur im Europa des 19. und 20. Jahrhundert beigetragen haben, gelingt ein Paradigmenwechsel weg von einer Kunstwerk-orientierten Musikgeschichtsschreibung hin zu einer Musikhistoriographie, bei der das musikbezogene Handeln von Frauen sichtbar wird. Philologie und Quellenkunde werden mit kulturwissenschaftlichen Diskursen verbunden. Innovative Forschungsmethoden und Konzepte der Identitäts-, Netzwerk-, Mobilitäts- und Kulturtransferforschung werden dabei für die historische Musikwissenschaft nutzbar und speziell für die musikwissenschaftliche Genderforschung fruchtbar gemacht.

Das Projekt trägt zur Bewahrung des kulturellen Erbes für zukünftige Generationen bei, archiviert die Dokumente sicher und konservatorisch angemessen, erschließt sie und stellt die Erschließungsdaten dauerhaft durch Kooperationen mit der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel und dem Kalliope Verbundkatalog online zur Verfügung. Die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel garantiert die Zugänglichkeit der auf ihren Internetseiten präsentierten Digitalisate und digitalen Editionen durch persistente URLs und stellt damit die Zitierbarkeit der elektronischen Dokumente sicher.

„Das FMG, seit zehn Jahren auskömmlich aus Drittmitteln der Mariann Steegmann Foundation finanziert, steht in der jetzt beginnenden zweiten Förderperiode vor der Aufgabe der Verstetigung. Dafür müssen Projektmittel eingeworben werden. Die erfolgreiche Antragstellung, pünktlich zum zehnten Geburtstag des Forschungszentrums, ist eine Auszeichnung, Ermutigung und Freude für das gesamte FMG auf diesem Weg in die Zukunft“, hebt Prof. Dr. Susanne Rode-Breymann hervor.

Projektmitarbeiterinnen sind HMTMH-Musikwissenschaftlerin Dr. Nicole K. Strohmann, unterstützt von Viola Herbst, sowie auf bibliothekarischer Seite Dr. Katharina Talkner und Anne Fiebig in Kooperation mit der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Die Projektergebnisse werden durch digitale Präsentation und Edition wie auch als Print-Publikation der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.


Zur Rara-Sammlung des Forschungszentrums Musik und Gender

  • 600 Briefe und Autografe von weit über 100 verschiedenen Absenderinnen, 578 Postkarten, 92 Bildquellen (Lithographien, Fotographien) sowie 109 Dokumente (insgesamt 1379 Medieneinheiten) aus dem späten 18. bis frühen 20. Jahrhundert
  • U.a. mehrere eigenhändige Briefe von Lola und Désirée Artôt de Padilla, Nadja Boulanger, Amy Beach, Cécile Chaminade, Geraldine Farrar, Sophie Gail, Marie Gutheil-Schoder, Augusta Holmès, Alma Mahler-Werfel, Lina Ramann, Wilhelmine Schröder-Devrient, Clara Schumann, Ethel Smyth, Pauline Viardot-Garcia und Cosima Wagner
  • Größtenteils in französischer Sprache, teils deutsch und englisch
  • Aufbau der Sammlung seit 2006 (= Gründungsjahr des Forschungszentrums Musik und Gender) erfolgt durch Ankäufe bei internationalen Antiquariaten und Auktionen, sowohl die Grundfinanzierung des FMG wie die darüber hinausgehenden Rara-Ankäufe hat die Mariann Steegmann Foundation übernommen und wird sie bis 2026 weiterhin tragen.
  • Autographen und Dokumente sind bisher nicht veröffentlicht oder wissenschaftlich ediert