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Montag, 30.07.2018 10:08 - Alter: 22 Tage

Wir trauern um Prof. Peter Winkler

Die Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover trauert um Professor Peter Winkler, der am 16. Juli 2018 verstarb.

Peter Winkler, geboren am 2. August 1936 in Kändler im Kreis Chemnitz, sang bereits während seiner Schulzeit im Dresdner Kreuzchor unter Rudolf Mauersberger. 1960 schloss er sein Studium in Ost-Berlin mit dem Staatsexamen Dirigieren ab und begann als Repetitor an der Staatsoper Unter den Linden Berlin zu arbeiten. Nach seiner Flucht aus der DDR im August 1961 arbeitete er zunächst als Solo-Repetitor an den Städtischen Bühnen Essen und war von 1965 bis 1972 als Kapellmeister an den Städtischen Bühnen Dortmund und Heidelberg tätig.

Im Oktober 1973 kam Peter Winkler als Korrepetitor für Partien- und Ensemble-Studien an die Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Im Juli 1986 wurde er auf eine Professur für Musikalische Szenen- und Ensemblearbeit berufen. Kurze Zeit später übernahm er Lehre des Orchesterdirigierens für A-Kirchenmusik-Studierende. Prof. Winkler blieb bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2000 Lehrender der HMTMH.

Prof. Gerd Müller-Lorenz, heute Dirigent und ehemals Student von Prof. Winkler, erinnert sich an seinen Mentor:
„Peter Winkler fühle ich mich menschlich und künstlerisch seit Studienbeginn sehr eng verbunden. Ich nahm ihn als Professorenpersönlichkeit wahr, welche Lernende (er verstand sich immer auch selbst als ein solchen!) stets ganzheitlich im Blick hatte und menschlich und künstlerisch genau dort ansetzte, wo er mit sicherem Gespür Wachstum fördern konnte. Dies geschah ausnahmslos mit höchster Noblesse und Wertschätzung, wie sie im Unterrichtsalltag einer Hochschule besonders hervortraten. Ansteckend sein Prima-Vista-Spiel! Angstlösend und aufmunternd sein individueller und blitzender Humor bei ersten Dirigiererfahrungen vor dem Orchester! Sein Charisma speiste sich aus seinem nicht eben einfachen Werdegang, seinen umfassenden künstlerischen und durch die Wechselfälle des Lebens tief eingeprägten Erfahrungen, welche ihn daran hinderten, schnell, schlicht oder leichtfertig zu urteilen oder zu werten. Sein funkelnder Geist versetzte ihn in die Lage, das immer Gleiche im pädagogischen Kontext so zu transformieren, dass er sich kaum wiederholte und so für ständige Frische sorgte.
Einige noch heute bestehende Ensembles – stellvertretend sei die Kammersymphonie Hannover genannt – gehen auf seine Gründung und Leitung zurück. Immer mehr wendete er sich auch anderen Ausdrucksformen zu: Ohnehin eine brillante Sprache pflegend schrieb er auch. Sein Blick hinter die Dinge und Fassaden führte ihn zum Malen. Vor allem komponierte er: Seine kleine Preziose ‚Dalla città alla campagna‘ für Violoncello und Streichorchester durfte ich 2012 gemeinsam mit der Kammersymphonie Hannover aus der Taufe heben. Unvergessen bleibt für alle, die es hören durften, die Uraufführung seines Streichquintetts anlässlich seines achtzigsten Geburtstags 2016 im kleinen Sendesaal des NDR.
Unvergessen bleibt überhaupt der inspirierte und inspirierende Künstler, der einfühlsame und temperamentvolle Pädagoge und nicht zuletzt der warmherzige und lebenskluge Mensch für alle, die den Vorzug hatten, mit ihm ein Stück Weges zurücklegen zu dürfen.“