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Freitag, 18.12.2020 11:03 - Alter: 75 Tage

Wertvolle Neuzugänge im Archiv des Forschungszentrums Musik und Gender: Verloren geglaubte Briefe der „schwedischen Nachtigall“ Jenny Lind und ein seltenes Autograph von Pauline Viardot

Das Forschungszentrum Musik und Gender (fmg) an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover ist dieses Jahr mit einer außergewöhnlichen Weihnachtsüberraschung bedacht worden: Das Institut, das seit seiner Gründung im Jahr 2006 ein einzigartiges Archiv mit historischem Quellenmaterial zu musikkulturell handelnden Frauen aufgebaut hat, konnte dank der großzügigen Finanzierung durch die Mariann Steegmann Stiftung beeindruckende Quellen im Gesamtwert von 18.000 Euro erwerben.

Bei dem wert- und gleichsam eindrucksvollen Material handelt es sich um ein umfangreiches Briefkonvolut sowie um ein Autograph von zwei der wohl bemerkenswertesten Sängerinnen des 19. Jahrhunderts.

Das Autograph – eine dreiseitige Niederschrift des Liedes „Chanson d’autrefois“ – stammt von Pauline Viardot (1821–1910), die sich durch ihre herausragende Karriere als Sängerin wie auch als Pianistin, Gesangslehrerin und Komponistin einen Namen machte. Von der Vertonung eines Textes von Victor Hugo, die Ende des 19. Jahrhunderts auch im Druck erschienen ist, war bisher nur eine Abschrift fremder Hand überliefert. Dass nun auch ein Autograph der Komponistin vorliegt und dieses vom fmg erworben werden konnte, ist daher als besonderer Glücksfall zu bezeichnen. Ein weiteres Highlight stellt die Provenienz des Exemplars dar: Es stammt aus dem Nachlass einer der bedeutendsten Sopranistinnen des 20. Jahrhunderts: Maria Callas.

Bereits durch seinen Umfang beeindruckt die zweite Neuerwerbung des fmg: 34 Briefe der Sängerin Jenny Lind (1820–1887) aus den Jahren 1850 bis 1874, die einen einzigartigen und facettenreichen Einblick geben in das Leben der gefeierten Sängerin, ihr musikkulturelles Handeln, ihr persönliches Umfeld und den zeitlichen Kontext. Die Briefe, die Jenny Lind an ihre enge Vertraute und mütterliche Freundin Amalie Wichmann verfasste, zeugen von den vielfältigen musikbezogenen Aktivitäten, die die Sängerin vor, aber vor allem auch nach der Eheschließung und ihrem vermeintlichen Rückzug ins Privatleben pflegte.

Ähnlich wie das Autograph von Pauline Viardot ist die Provenienz auch bei diesem Konvolut bemerkenswert. Die Briefe befanden sich lange Zeit im Besitz der Familie Wichmann und konnten erst in den 1960er Jahren von W. Porter Ware und Thaddeus C. Lockard erworben werden, die diese in einer sehr freien und teils ungenauen englischen Übersetzung 1966 als „The Lost Letters of Jenny Lind“ publizierten. Die Originalbriefe in deutscher Sprache waren seitdem jedoch nicht auffindbar und sind nach der Erwerbung durch das fmg nun erstmals für die musikwissenschaftliche Forschung zugänglich.

Die Neuzugänge ergänzen das vielfältige und facettenreiche Quellenmaterial aus dem Archiv des fmg, das mittlerweile knapp 6.000 Medieneinheiten aus dem späten 18. bis ins 21. Jahrhundert umfasst. Einen Einblick in das Quellenmaterial liefert die Online-Rubrik „Quelle des Monats“ auf der Website des Forschungszentrums Musik und Gender, in der regelmäßig Raritäten aus dem Archiv des Instituts in kurzen Texten und mit mehreren Abbildungen vorgestellt werden.