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Dienstag, 11.02.2020 17:19 - Alter: 181 Tage

IJK wirbt Projekt zur Praxis journalistischer Berichte über Verbrechen ein

Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur fördert ein Projekt der HMTMH zum Thema Verbrechensberichterstattung in den Medien mit 119.000 Euro. Die Gelder stammen aus dem Programm „Zukunftsdiskurse“ und würdigen den aktiven Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft über aktuelle Fragestellungen: „Die geförderten ‚Zukunftsdiskurse‘ (…) treten in den Dialog mit der Öffentlichkeit. Sie machen damit deutlich, dass unsere Hochschulen wichtige Orte für zukunftsorientierte Debatten sind“, so der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler.

Sowohl in den Redaktionen und den Pressestellen der Polizei als auch in den Innenministerien der Länder wird derzeit diskutiert, wie bei Meldungen über Straftaten mit Informationen über die ethnische Herkunft von Täter*innen und Verdächtigen umzugehen sei. „Die Medienwirkungsforschung hat vielfach gezeigt, dass das Nachrichtenpublikum dazu neigt, von einzelnen Straftätern auf ganze Bevölkerungsgruppen zu schließen“, erklärt Projektleiter Prof. Christoph Klimmt, Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung (IJK). „Enthält ein Bericht die Information, dass ein Mörder aus einem bestimmten Land kommt, besteht die Gefahr, dass fälschlicherweise in seiner Herkunft eine Erklärung für die Tat vermutet wird. Das wiederum kann Vorurteile gegenüber Menschen aus jenem Land insgesamt verstärken.“

Aus diesem Grund mahnt der Deutsche Presserat Journalistinnen und Journalisten, die Herkunft von Täter*innen und Verdächtigen möglichst nicht zu nennen. „Aber unsere groß angelegte Studie hat gezeigt, dass zwischen 2015 und 2019 eine wachsende Zahl von Berichten über Verbrechen einen Hinweis auf die Herkunft enthält“, erläutert Projektmitarbeiterin Anja Dittrich.

Der Presserat selbst hat seine Regeln in dieser Hinsicht im Jahr 2017 gelockert. Zwischen den Innenministerien der Länder gibt es aktuell Meinungsverschiedenheiten darüber, wie die Polizei in ihren Pressemeldungen mit dem Thema verfahren soll.

Vor diesem Hintergrund bringt das geförderte Dialogprojekt am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung (IJK) Journalistinnen und Journalisten, Akteure aus Polizei und Sicherheitskreisen sowie Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft mit der Wissenschaft zusammen, um über neue Empfehlungen und Leitlinien für die öffentliche Kommunikation über Verbrechen und die Nennung migrationsbezogener Informationen zu beraten. Ziel ist es, binnen eines Jahres wissenschaftlich fundierte, praktikable und von den beteiligten Akteursgruppen akzeptierte Empfehlungen zu erarbeiten und der Fachöffentlichkeit zur Diskussion zur Verfügung zu stellen.

Insgesamt wurden in der dritten Förderungsrunde des Programms „Zukunftsdiskurse“ 14 Projekte gefördert. Dafür standen aus dem Niedersächsischen Vorab der Volkswagen Stiftung rund 1,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Originaltitel des Projekts:
Die Verknüpfung von Migration und Kriminalität in den Medien: Dialogische Forschungsimpulse für die Praxis des Journalismus und der Sicherheitsbehörden sowie für die kritische Medienkompetenz von Bürgerinnen und Bürgern

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Christoph Klimmt
Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung (IJK)
Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover
Expo Plaza 12, 30539 Hannover
Tel. 0511 3100-476
E-Mail: christoph.klimmt@ijk.hmtm-hannover.de
Web: www.ijk.hmt-hannover.de