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Dienstag, 30.06.2020 11:23 - Alter: 12 Tage

Trauer um Rolf-Dieter Ramcke, Architekt der HMTMH

Eine feierliche Einweihung eines großartigen eigenen Baus ist ein Höhepunkt im Leben jedes Architekten: Wie mag es Rolf Ramcke zumute gewesen sein, als am 8. November 1973, wenige Tage nach seinem vierzigsten Geburtstag, sein Neubau der Hochschule für Musik und Theater feierlich eröffnet wurde? In der HAZ vom 1. November 1973 wurde die „imposante Musikburg aus Beton, Kalksandstein und Holz“ als die „modernste Musikhochschule Europas“ gefeiert und 1976 mit dem BDA Preis Niedersachsen ausgezeichnet.

Acht Jahre vergingen bis zur Fertigstellung der 13.500 m², die mit allen technischen Finessen ausgestattet waren, für Planung, Finanzierung sowie den Streit um Lösungen bis hin zur Fassade, für die Ramcke ursprünglich rote Klinker vorgesehen hatte. Es wurden acht Bauplätze in Hannover geprüft, 1965 folgte ein Wettbewerb, den Ramcke mit seinem Entwurf gewann. Es kam zu Verzögerungen, bis im Juli 1970 endlich mit dem Bau begonnen werden konnten. Die Verzögerung kommentierte Ramcke 1998 im Rückblick in seiner charmanten Sachlichkeit: Es sei positiv „zu vermerken, dass in der verlängerten Planungszeit der Entwurf im engen Dialog mit der Hochschule weiterentwickelt wurde und in allen Bereichen zu ausgereifteren Funktionszusammenhängen und verbesserten Raumkonzepten führte.“

Während der Bauzeit (Juli 1970-April 1973) mietete Ramcke Räume in der Hohenzollernstraße 5 an, um immer auf der Baustelle präsent sein zu können. Ramcke war es ein zentrales Anliegen, mit den Nutzern seiner Häuser in Kontakt zu sein. Was die Musikhochschule angeht, so arbeitete Ramcke eng mit Richard Jakoby zusammen: „Daß der Plan“ dieses herausragenden Musikhochschulbaus „in die Tat umgesetzt wurde“, so Rudolf Lange anlässlich der Eröffnung in der HAZ, sei der Zusammenarbeit dieser „Köpfe eines jungen Teams“ zu verdanken. Mit „Energie und Geschicklichkeit“ fanden Jakoby und Ramcke „immer wieder Auswege […], wenn sich Schwierigkeiten ergaben.“

Rolf Ramcke, 1995 mit der Walter-Gieseking-Medaille der Hochschule für Musik und Theater Hannover ausgezeichnet, ist bis zuletzt mit den Nutzern seiner Musikhochschule in allerbestem Kontakt geblieben und hat sowohl die Denkmalschutz-Diskussionen (die Hochschule wurde 2011 unter Denkmalschutz gestellt) wie den Beginn der denkmalgerechten Renovierung lebhaft begleitet. Immer ging dabei eine tiefe Freude über dieses Haus von ihm aus. Er war (vollkommen zu Recht) überzeugt von dem Konzept der spiraligen Bewegung mit dem Saal als Höhepunkt und der hochdifferenzierten gestalterischen Raumvielfalt. Die fast 200 kleinen, mittleren und großen Räume hatte er klar von den Funktionen der Hochschule abgeleitet, wie er anlässlich der Eröffnung in der HAZ schreibt: „Die sieben Fachabteilungen […] haben entsprechend ihrem jeweiligen Unterrichtsgefüge völlig unterschiedliche Anforderungen an Raumgröße, Raumhöhen und Ausstattungen.“ Wenn er davon erzählte und wenn er auf das Farbkonzept der Hochschule zu sprechen kam und über die Spiegelungen der Farbvaleurs des Purpur-Teppichs im Kontext mit anderen dissonanten Farben im Beton schwärmte – dann mochte man ihm gerne und lange zuhören.

Rolf-Dieter Ramcke, geboren am 4. November 1933 in Alveslohe im Kreis Segeberg, verstarb am 12. Juni 2020 in Hannover.

Mit Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg durchlief er von 1940 bis 1954 eine Volks- und Oberschulausbildung in Neumünster und machte im März 1954 sein Abitur. In dieser Zeit erhielt Rolf Ramcke eine 13-jährige Musikausbildung in den Fächern Klavier, Chorleitung und Tonsatz. Auch ließ er sich im Florettfechten und Stepptanz ausbilden und praktizierte darin.

Zum Wintersemester 1954/55 folgte die Aufnahme des Architekturstudiums an der Technischen Hochschule Hannover, welches er im Wintersemester 1961/62 mit dem Prädikat „sehr gut“ in der Diplomhauptprüfung abschloss.

Im April 1962 trat Rolf-Dieter Ramcke als Entwurfsarchitekt in den Dienst des Hochbauamts der Stadt Hannover, Bereich Planung und Entwurf, ein und bekleidete diese Position 34 Jahre.

Zum Sommersemester 1975 begann Rolf-Dieter Ramcke eine Lehrtätigkeit am Institut für Bibliothekarausbildung der Freien Universität Berlin mit dem Lehrgebiet Grundlagen und Methoden der Planung sowie Bau und Einrichtung von Bibliotheken. Vier Jahre später wurde er an selber Stelle mit den Lehr- und Forschungsgebieten Bibliotheksplanung, Bibliotheksarchitektur und Bibliotheksbaugeschichte zum Honorarprofessor bestellt. Theaterbauseminare am Institut für Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft führten ihn im Wintersemester 1982/83 an die Universität zu Köln. Im Oktober 1994 berief ihn auch die Philosophische Fakultät I der Humboldt-Universität zu Berlin zum Honorarprofessor.

Rolf Ramcke gehörte der Bundesbaukommission des Deutschen Bibliotheksinstituts Berlin an (1976 bis 1983), war Mitglied im wissenschaftlichen Beirat Bibliothek und Information des Goethe Instituts München (2003 bis 2006) sowie von 2006 bis 2010 dessen Stellvertretender Vorsitzender.

Zwischen 2002 und 2007 führten ihn Vorträge, Seminare, Entwurfsworkshops und gutachterliche Entwürfe auf Reisen nach Mexiko Stadt, Riga, Brasilien, Argentinien, Chile, Slowakei, Rom und Paris.

Wir trauern um Rolf-Dieter Ramcke und werden seiner dankbar gedenken.