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Donnerstag, 05.03.2020 08:00 - Alter: 32 Tage

HMTMH trauert um Hans Deinzer

Hans Deinzer, geboren am 14. Januar 1934 in Rothenbruck, verstarb am 26. Februar 2020 nach langer schwerer Krankheit.

Hans Deinzer erhielt nach ersten Erfahrungen in der Blaskapelle seines Heimatdorfes Klarinettenunterricht am Städtischen Konservatorium in Nürnberg und hatte später privaten Unterricht bei Rudolf Gall in München. Nach Jahren als Jazzer im Nürnberger Tanzorchester begann er seine klassische Orchesterlaufbahn bei den Nürnberger Symphonikern (1958 bis 1962) und wechselte dann zum Symphonieorchester des Norddeutschen Rundfunks in Hamburg (1962 bis 1971).

Parallel nahm Hans Deinzer seine Unterrichtstätigkeit auf, arbeitete von 1959 bis 1962 als nebenberufliche Lehrkraft am Städtischen Konservatorium in Nürnberg, von 1963 bis 1965 am Hamburger Konservatorium und ab 1965 an der Hochschule für Musik und Theater Hannover. Hier wurde er 1971 mit einer Professur betraut und blieb der Hochschule, trotz eines lukrativen Berufungsangebots aus Freiburg, für über drei Jahrzehnte treu. Vor allem aufgrund seiner Verdienste um die Neue Musik erhielt Deinzer im Juni 1979 eine C 4-Professur: „Herr Prof. Deinzer ist“, so hieß es im Begründungsschreiben, „der in der BRDeutschland anerkannteste Klarinettist mit Schwerpunkt in der Neuen und Neuesten Musik. Mehrere international bekannte Komponisten haben für Deinzer geschrieben bzw. Wert darauf gelegt, ihre Werke von ihm uraufführen zu lassen.“ Hans Deinzer, der 1961 bis 1967 Mitglied des „Internationalen Kranichsteiner Kammerensembles“ gewesen ist, hat u. a. die Uraufführung von Dialog I (1960) und Inventio II (1962) von Werner  Heider, von Domaines von Pierre  Boulez (1968) und Drei Szenen für Klarinette solo von Peter  Ruzicka (1970) gespielt.

Deinzer beantragte als 60-Jähriger die Versetzung in den Ruhestand vor Erreichen der Altersgrenze. Er wurde am 30. Januar 1996 in den Ruhestand versetzt, unterrichtete jedoch im Lehrauftrag bis einschließlich Sommersemester 1999 an der HMTMH. Zu Deinzers Schülern zählten u. a. die Professor*innen Sabine Meyer und ihr Mann Reiner Wehle (Musikhochschule Lübeck), ihr Bruder Wolfgang Meyer (Hochschule für Musik Karlsruhe), Martin Spangenberg (Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin), Johannes Peitz (HMTMH) und Nina Janßen-Deinzer (Hochschule für Musik Nürnberg).

Sabine Meyer hat, so ihre eigenen Worte, als Professorin vieles von dem, was sie von Hans Deinzer lernte, übernommen und weitergeführt: „Von ihm habe ich gelernt, dass eine Klarinette nicht mechanisch mit den Fingern gespielt wird, sondern dass das Wesentliche in den gesanglichen Qualitäten des Instruments liegt, also Tonkontrolle, Farbgebung, Artikulation und Phrasierung. Diese Philosophie möchte ich meinen Studierenden weitergeben.“

Johannes Peitz erinnert sich …

an Hans, mit dem auch wir Studierenden per Du waren,
an sein Lehren auf Augenhöhe, sein zugewandtes Begegnen:
mit jeder und jedem in anderem Tonfall und mit anderen Worten mit immer leuchtenden Augen sprechend, immer unterstützend und aus der Musik motivierend

an die intensive gemeinsame Arbeit am Instrument, uns dabei aber in voller Freiheit und Verantwortung belassend:
Als intuitiv brillanter Pädagoge gab er uns das Gefühl, man sei selbst auf die Lösung gekommen und hat uns damit Selbstvertrauen gelehrt.

Nie vergessen werde ich seine Antwort auf meine Aussage, dass ich eigentlich nichts mehr von dem wisse was er mich gelehrt hatte:
Das ist doch gut, Johannes!

Das hat er mir mitgegeben:
eins sein mit Instrument, Körper, Klang, Raum, Publikum, der Musik.
„Zen in der Kunst des Bogenschießens“, das sollte unsere Bibel sein.

Und das Wichtigste, auch später noch, wenn ich seinen Rat brauchte:
Das ist doch gut, Johannes!

Das wird mir fehlen.

Die Hochschule für Musik, Theater und Medien trauert um Hans Deinzer, einen großartigen Musiker und Lehrer, und wird seiner dankbar gedenken.