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Freitag, 15.01.2021 15:16 - Alter: 47 Tage

Trauer um Günter Katzenberger

Günter Katzenberger, der gut 30 Jahre Musikwissenschaft an der HMTMH lehrte, verstarb am 28. Dezember 2020. Er wurde 83 Jahre alt.

Der am 25. Mai 1937 in Bad Kissingen geborene Günter Katzenberger studierte nach dem Abitur in Schondorf ab 1956 an der Musikhochschule München Schulmusik mit Hauptfach Klavier sowie den Fächern Philosophie und Neuere Geschichte und schloss dieses Studium 1960 zunächst mit der künstlerischen und 1962 mit der pädagogischen Prüfung ab. Ab 1960 studierte er Musikwissenschaft an der Universität Innsbruck und wurde 1963 mit einer Dissertation „Die Kadenz im Instrumentalkonzert bei Beethoven und das Stilproblem der nichtoriginalen Kadenzen zu Beethovens Konzerten“ promoviert. 1962 bis 1964 studierte er am Konservatorium in Innsbruck Dirigieren und legte dort 1964 seine künstlerische Reifeprüfung ab.

Nach dem Referendariat 1960-62 war er von September 1963 bis Juli 1970 Lehrer im Ruperti-Gymnasium in Mühldorf/Inn und kam als Studienrat im Hochschuldienst ab 1. Oktober 1970 an die Hochschule für Musik und Theater Hannover, wo er als Assistent das Fach Musikwissenschaft in der Schulmusikabteilung übernahm. Nach einem Berufungsverfahren wurde er am 29. November 1973 als Professor für Musikwissenschaft ernannt und mit Ablauf des Monats September 2002 emeritiert. Mit Lehraufträgen lehrte Günter Katzenberger das Fach auch an der Universität Hildesheim, der Universität Bremen und als Honorarprofessor an der Leibniz Universität Hannover.

Zwei seiner Nachfolger, Dr. Lorenz Luyken und Prof. Dr. Stefan Weiss, erinnern an einen Kollegen, dem es nicht nur gelang, einen  personellen Übergang in seinem Facherfolgreich mitzugestalten, sondern der auch den Kontakt zu seiner alten Wirkungsstätte nie verlor:
„Als wir 2002 bzw. 2003 nach Hannover kamen, erlebte die Historische Musikwissenschaft der Hochschule gerade einen Generationenwechsel: Nicht weniger als vier Kollegen gingen innerhalb weniger Jahre in den Ruhestand. Günter Katzenberger, der einer dieser verdienten Vorgänger war, hat uns den Anfang damals in der ihm eigenen diskreten Art, aber nachhaltig erleichtert. Indem er auch nach seiner Emeritierung den Kontakt zur Hochschule und (nicht nur) ihrer Musikwissenschaft stets beibehielt, stellte er Kontakte her, regte neue und die Fortsetzung alter Projekte an.“

Günter Katzenberger vernetzte beide mit anderen Hochschulangehörigen und hannoverschen Kulturinstitutionen, in die er lange und verantwortungsvoll eingebunden war. So leitete er viele Jahre den Hannoverschen Künstlerverein als Vorsitzender. Mit größtem Engagement setzte er sich für Neue Musik ein und war aktiv in der Hannoverschen Gesellschaft für Neue Musik (Stellvertretender Vorsitzender) tätig, für die er z.B. 1991 den Band Sofia Gubaidulina. Eine Hommage zum 60. Geburtstag herausgab.

Eine Bereicherung waren auch stets die Begegnungen mit Günter Katzenberger, erzählen Lorenz Luyken und Stefan Weiss: „Häufig begegnete man ihm am Rande von Hochschulveranstaltungen, an denen er nie das Interesse verlor; man konnte dann sicher sein, dass er irgendeinen Gedanken – an ein Projekt, ein vergessenes Werk, an musikhistorische Zusammenhänge, die doch einmal zu erforschen wären, aber auch an etwas, was seinen weit über das Fach hinausgehenden Interessen entsprang – mit einem teilte. Die Verbindung von sachlicher Ernsthaftigkeit und dem manchmal spitzbübischen Lächeln, das seine Darlegungen begleitete, führten dann oft genug dazu, dass man solchen Hinweisen nachging und von ihnen geistige Bereicherung aller Art empfing. Sein Wohlwollen, seine positive Ausstrahlung und seine fachliche Kompetenz waren für uns beispielgebend – wir werden ihn als hochsympathischen Menschen sehr vermissen.“

Neben seinem großen Engagement für die Neue Musik beschäftigte sich Günter Katzenberger intensiv mit der Hannoverschen Musikgeschichte, mündend z.B. in den Band „Unser Hof ist ein sehr starker Gott…“ Hannovers Oper um 1850 im Spannungsfeld zwischen Künstlern, König und Hofbeamten (=prinzenstraße 13, Schriftenreihe des Theatermuseums Hannover), Hannover 2008. Einblick in das musikwissenschaftliche und musikvermittelnde Denken von Günter Katzenberger gibt der von Arnfried Edler herausgegebene Band Günter Katzenberger – Denken und Sprechen als Weg zur Musik. Beiträge zur Musikgeschichte, der 2003 in der Reihe „Monographien“ des Instituts für musikpädagogische Forschung erschien.

Bei Günter Katzenberger promovierten Wolfgang Volpers über Puccinis Turandot und Peter Wessel über Alexander Zemlinsky. Wie die eigenen Doktoranden, so förderte Günter Katzenberger im Rahmen des Historiker-Kolloquiums auch alle anderen Doktorandinnen und Doktoranden durch sein echtes Interesse, seine lebendige Diskussionsbereitschaft, seine kollegialen Nachfragen und menschlich zugewandten Ermutigungen.

Wir trauern um Günter Katzenberger und werden seiner dankbar gedenken.