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Donnerstag, 30.04.2026 10:23 - Alter: 55 Minuten
HMTMH warnt vor GEMA-Reform: „Fundamentaler Eingriff in das musikalische Ökosystem des Kulturstandorts Deutschland“
Hannover. Die Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH) unterstützt mit Nachdruck die anhaltende Kritik der Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen in der HRK (RKM) an der geplanten Reform der GEMA-Kulturförderung. In einem zweiten Offenen Brief hat die RKM gegenüber Vorstand und Aufsichtsrat der GEMA ihre tiefe Besorgnis über die weiterhin unausgewogenen Reformpläne zum Ausdruck gebracht, über die im Mai auf der Mitgliederversammlung entschieden werden soll.
Auch die HMTMH bewertet das Vorhaben als gravierenden Einschnitt: Es komme einer Abkehr vom bewährten Solidaritätsprinzip gleich und gefährde einen zentralen Pfeiler kultureller Vielfalt, durch den insbesondere nicht-kommerziell ausgerichtete Musikformen fortbestehen können. „Die geplante Neuordnung ist kein rein verwaltungstechnischer Vorgang, sondern ein fundamentaler Eingriff in das musikalische Ökosystem des Kulturstandorts Deutschland“, erklärte Prof. Oliver Wille, Beauftragter für die Kunst der HMTMH.
Helmut Lachenmann, Komponist und Ehrensenator der HMTMH, kritisierte die geplante Neuregelung in einem am 22. April in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlichten Kommentar scharf. Sie bedeute eine „grausame Herabsetzung“ und damit die „Beeinträchtigung der Lebensqualität“ vieler Komponistinnen und Komponisten, die „selbstlos der Kunst dienen“. Zugleich offenbare sie einen Mangel an Wertschätzung für diese Arbeit und spiegele einen Zeitgeist wider, der von zunehmender Oberflächlichkeit und kurzatmigem Nützlichkeitsdenken geprägt sei.
Nach Einschätzung der HMTMH hätte die Reform erhebliche Folgen für die Existenzsicherung insbesondere für Komponistinnen und Komponisten der sogenannten E-Musik und würde den künstlerischen Nachwuchs in diesem ohnehin stark umkämpften Umfeld besonders hart treffen. „Die zeitgenössische E-Musik ist künstlerisch unverzichtbar. Sie muss möglichst frei von materiellem Denken sein, um sich als kreative, durchaus irritierende, herausfordernde und den Kunstbegriff stetig weiterentwickelnde Ausdrucksform behaupten zu können“, so Wille. Genau das stehe seiner Einschätzung nach jetzt zur Disposition: Musikhochschulen sähen sich möglicherweise gezwungen, ihre Kompositionsstudiengänge zu überdenken, denn es sei verantwortungslos, Studierende weiterhin für Bereiche auszubilden, die keine berufliche Perspektive mehr bieten.
Im Einklang mit der RKM appelliert die HMTMH daher eindringlich, der Reform in ihrer aktuellen Form nicht zuzustimmen und die kulturelle Vielfalt nicht zugunsten kommerzieller Umverteilungsmechanismen aufs Spiel zu setzen.
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