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Dienstag, 26.01.2016 13:44 - Alter: 9 Jahre

Warum bin ich musikalisch?

Dr. Daniel Müllensiefen erhält Anneliese Maier-Forschungspreis in Höhe von 250.000 Euro für Forschungsvorhaben zur Entstehung von Musikalität gemeinsam mit Hanover Music Lab

Das Hanover Music Lab (HML) der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH) unter der Leitung von Prof. Dr. Reinhard Kopiez erhält Zuwachs: Der Musikpsychologe Dr. Daniel Müllensiefen vom Goldsmiths College der University of London wird für die kommenden fünf  Jahre in Hannover die Entstehung musikalischer Kompetenzen von der Kindheit bis zum Erwachsenenalter erforschen. Das kooperative Vorhaben wird möglich durch den Anneliese Maier-Forschungspreis 2016 der Alexander von Humboldt-Stiftung für herausragende Geistes- und Sozialwissenschaftler, dotiert mit 250.000 Euro.

Daniel Müllensiefen gehört zu den innovativsten Köpfen seines Fachs. Der aus Deutschland stammende Forscher entwickelte mit dem Goldsmith Musical Sophistication Index (Gold-MSI) im Jahr 2014 ein Instrument zur Messung von Musikalität, das sich sofort als Standardwerkzeug der empirischen Musikforschung etablieren konnte. Wie der Gold-MSI funktioniert, wurde in einer großen Studie der BBC mit 150.000 Teilnehmern in Großbritannien gezeigt. (Weitere Informationen: http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0089642)

Die Studie soll nun gemeinsam mit dem HML-Forscherteam von Reinhard Kopiez fortgesetzt werden. Die Kernfrage: Wie entwickelt sich Musikalität im Alter zwischen zehn und 20 Jahren? Daniel Müllensiefen erklärt: „Damit soll eine Antwort auf die Frage gefunden werden, warum manche Menschen einen Zugang zur Musik finden, Instrumente spielen und Musik für einen wichtigen Bestandteil ihres Lebens halten, während andere diesen Zugang nie finden.“ Die Studie bei Schülerinnen und Schülern anzusetzen ist der Erkenntnis geschuldet, dass die Unterschiede in den musikalischen Fähigkeiten und Interessen bei 10-jährigen noch relativ gering sind, in den Zwanzigern aber bereits erheblich sein können. „Wir fragen uns, ob Musikalität in den Genen liegt, ob das musikalische Angebot im Jugendalter für die Entwicklung prägend ist oder die Persönlichkeitsstruktur entscheidend für eine Affinität ist. Vielleicht ist es auch Einstellungssache, ob man sich selbst für musikalisch hält“, führt der Musikpsychologe aus. Gleichzeitig mit der Musikalität entwickeln sich in dieser Zeit auch die kognitiven Fähigkeiten und die Persönlichkeit sowie soziale Fähigkeiten. Das Zusammenspiel wird als Faktor mit in die Studie einfließen.

Prof. Dr. Reinhard Kopiez, führender Musikpsychologe an der HMTMH, ordnet die Preisvergabe ein: „Wir freuen uns besonders auf dieses Forschungsvorhaben und sind stolz über die Auszeichnung der Humboldt-Stiftung. Der Preis bestätigt die  internationale  Anerkennung der Hochschule in der Musikpsychologie und als „Hot Spot“ der Wissenschaft.“ Neben der Studie soll im Förderzeitraum gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Musikpsychologie (DGM) ein Trainingsnetzwerk für deutschsprachige Doktoranden aufgebaut werden, die im Bereich Musikpsychologie promovieren.
Zur Arbeit am Hanover Music Lab: http://www.hml.hmtm-hannover.de/

Der Anneliese Maier-Forschungspreis
Die Alexander von Humboldt-Stiftung hat zwei Wissenschaftlerinnen und vier Wissenschaftler aus dem Ausland für den Anneliese Maier-Forschungspreis 2016 ausgewählt. Der Preis ist mit jeweils 250.000 Euro dotiert und wird an herausragende Geistes- und Sozialwissenschaftler vergeben, die von Kooperationspartnern an deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen nominiert werden. Mit dem Preisgeld werden Forschungskooperationen mit Fachkolleginnen und Fachkollegen in Deutschland für einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren finanziert. Der Preis soll die Internationalisierung der Geistes- und Sozialwissenschaften in Deutschland voranbringen und wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung finanziert.

Die sechs Preisträger wurden unter insgesamt 79 Nominierten aus 23 Ländern ausgewählt. Die meisten Nominierten kamen aus den USA (31), Großbritannien (13), Kanada (4) und Israel (4).
Weitere Informationen zum Preis und zu den Preisträgern: https://www.humboldt-foundation.de/web/amp-2016.html

Dr. Daniel Müllensiefen
1971 in Deutschland geboren, arbeitete nach seinem Studium und parallel zu seiner Promotion als Produktmanager in der Musikwirtschaft und betreute unter anderem die Entwicklung der Internet-Suchmaschine der deutschen Musikindustrie. Nach seiner Promotion in Hamburg ging er 2006 als Post-doctoral Research Fellow an das Department of Computing des Goldsmiths College der University of London, wo er später Senior Lecturer und 2015 Reader im Department of Psychology wurde. Seit 2009 ist er Ko-Direktor, seit 2015 Direktor des Master-Studienganges „Music, Mind, and Brain“. Er ist unter anderem Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Musikpsychologie, der Royal Statistical Society und der British Society for the Psychology of Individual Differences und erhielt bereits einige Auszeichnungen wie den Goldsmiths Early Career Development Award. Er ist  Herausgeber des open access Fachmagazins „Empirical Musicology Review“und berät außerdem als Musikgutachter Verlage und Anwaltskanzleien.