Unter dem Radar – die DDR und das zeitgenössische Kunstlied

Das Liedrepertoire der DDR schließt einerseits an das deutsche klavierbegleitete Sololied seit der Romantik an, ist aber andererseits durch Traditionsbruch und Erneuerung gekennzeichnet. Unter den Schaffensbedingungen der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR, mit den spezifischen Gegebenheiten von ideologiegeleiteter Förderung und Repression, erwuchs dem Kunstlied in der Tradition von Franz Schubert bis Anton Webern bereits am Ende der 1940er Jahre ein Rivale in Gestalt des sogenannten Massenlieds, das gezielt der Herausbildung und Stärkung eines sozialistischen Bewusstseins dienen sollte.

Im Umkehrschluss führte das dazu, dass dem Kunstlied im Musikdiskurs der DDR die Massentauglichkeit und damit die Relevanz abgesprochen wurde. Wie kaum einer anderen Gattung der Musik haftete dem Kunstlied in der DDR das Odium an, eine Privatsache einzelner Künstler und damit von geringem gesellschaftlichen Wert zu sein. Die offizielle Musikgeschichte der DDR resümiert 1979, „daß das Kunstlied ein ziemliches Randdasein innerhalb des Musiklebens führt. Zum Teil dienten die Stücke dem Selbstverständnis des Komponisten, blieben sie eine persönliche Auseinandersetzung mit der Tradition.“

Unsere Veranstaltung sucht nach Spuren dieser anderen Geschichte des Liedes im 20. Jahrhundert, nach öffentlichen und privaten Liedern, nach klingenden Bekenntnissen und Fluchtbewegungen unter dem Radar parteilicher Kontrolle. Sie bringt die Liedklassen von vier deutschen Musikhochschulen mit Musikhistoriker/innen zusammen, die sich auf die Musikgeschichte der DDR und des Kalten Krieges spezialisiert haben.

Programmvorschau

Freitag, 17. Mai 2019 | 19:30 Uhr | Richard Jakoby Saal, Neues Haus 1
Eintritt frei

Eröffnungskonzert
mit Uraufführungen von Liedern Georg Katzers und Steffen Schleiermachers und Liedern der DDR.

 

Samstag, 18. Mai 2019 | 10:00 Uhr | Hörsaal 202, Neues Haus 1
Eintritt frei

Liedkultur(en) der DDR: Symposium 1
Spektrum Lied, Gesprächskonzert mit der Liedklasse der UdK Berlin

Fallstudien: Symposium 2
Zentren Berlin und Dresden: Konzert mit den Liedklassen der Hochschulen für Musik "Hanns Eisler" und "Carl Maria von Weber"

 

Sonntag, 19. Mai 2019 | 10:00 Uhr | Hörsaal 202, Neues Haus 1
Eintritt frei

Künstlerisch-wissenschaftliche Spurensuche
Kunst- und Massenlied: Symposium 3
Konzert mit Studierenden aus Berlin, Dresden und Hannover sowie dem Mädchenchor Hannover (UA eines Werks von Iris ter Schiphorst)
Podiumsdiskussion mit Zeitzeugen

Leitung: Jan Philip Schulze und Stefan Weiss


Mit freundlicher Unterstützung der Ernst von Siemens Musikstiftung und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

 

Veranstaltung in der Übersicht

Unter dem Radar – die DDR und das zeitgenössische Kunstlied
17. bis 19. Mai 2019
Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, Neues Haus 1
Eintritt frei

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Zuletzt bearbeitet: 03.04.2019

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